Deutscher Verband für Landschaftspflege
Foto: (v.l.n.r.) Klaus Fackler, Diana Schmidt (LPV Mittelfranken), Klaus Amann (LPV Kelheim), Wolfram Güthler (Leiter Referat Landschaftspflege und Naturschutzförderung, StMUV), Nicolas Liebig (Landessprecher bayerische Landschaftspflegeverbände), Beate Krettinger (DVL-Landeskoordinatorin), Alex Eder (Landrat des Landkreises Unterallgäu), Dr. Martin Sommer (DVL-Projektmanager NATÜRLICH BAYERN), Jens Franke (LPV Unterallgäu), Foto: DVL

23.09.2020 NATÜRLICH BAYERN als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet

Das Projekt „NATÜRLICH BAYERN – insektenreiche Lebensräume“ des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL) ist als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden. In Stellvertretung des bayerischen Umweltministers Thorsten Glauber nahm Ministerialrat Wolfram Güthler die Würdigung vor. Die Auszeichnung wird an vorbildliche Projekte verliehen, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland einsetzen.

Ansbach/Hürth/Memmingen, 22. September 2020 – Mit der Initiative „NATÜRLICH BAYERN - insektenreiche Lebensräume" trägt der Deutsche Verband für Landschaftspflege mit den bayerischen Landschaftspflegeverbänden zum Erhalt und zur Förderung der Insektenvielfalt in Bayern bei. Dafür werden bis 2023 vor allem kommunale Flächen mit gebietseigenem Saat- und Pflanzgut zu artenreichen Lebensräumen für Insekten aufgewertet. Darüber hinaus werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommunen über insektenfreundliche Lebensräume und deren Pflege geschult und beraten, um den Kommunen eine Umstellung der Flächenpflege zu erleichtern. Die Initiative ist Teil des vom Bayerischen Umweltministeriums initiierten „Blühpakts Bayern“.

„Artenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege und die bayerischen Landschaftspflegeverbände sind starke Partner, die Artenschutz und Biodiversität in die Regionen bringen und vor Ort umsetzen. Bestes Beispiel ist die Initiative 'NATÜRLICH BAYERN' – ein herausragendes Projekt zur praktischen und wirkungsvollen Umsetzung von Natur- und Artenschutz. Mit 'NATÜRLICH BAYERN' schaffen wir gemeinsam mit Gemeinden und Landwirten neue Lebensräume für mehr Insektenvielfalt. 'NATÜRLICH BAYERN' darf ab jetzt für zwei Jahre den Titel 'Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt' führen. Das ist eine großartige Würdigung und Motivation für die Zukunft.", betonte Staatsminister Thorsten Glauber in der übermittelten Laudatio.

Bei „NATÜRLICH BAYERN“ stehen Wirksamkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit der Maßnahmen im Vordergrund. Es werden Pflanzenmischungen verwendet, die heimischen Insekten wirklich helfen. Dazu nutzen die Landschaftspflegeverbände fast ausschließlich selbst geerntetes Saat- und Pflanzgut von artenreichen Spenderflächen aus der jeweiligen Region. Wo dies nicht ausreichend zur Verfügung steht, kaufen sie zertifiziertes Regiosaatgut. Davon profitieren auch seltene und gefährdete Insektenarten, deren Futterpflanzen in herkömmlichen Blühflächen und „Bienenweiden“ nicht enthalten sind. Darüber hinaus nutzen die Landschaftspflegeverbände neben bekannten Techniken wie der Mähgutübertragung auch innovative technische Verfahren, wie den Wiesendrusch mit Mähdrescher oder die Samenernte ohne Mahd mit neuen Geräten.

Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein deutliches Zeichen für das Engagement zur Erhaltung biologischer Vielfalt in Deutschland gesetzt. Das Projekt „NATÜRLICH BAYERN“ wirkt mit optimierter Bewirtschaftung, Neuanlagen und Aufwertungen von Lebensräumen in allen bayerischen Regionen dem Verlust der Insektenvielfalt entgegen. Zusätzlich sorgen Schulungen und Beratungen der Akteure auch nach Beendigung des Projektes für eine nachhaltige und insektenschonende Bewirtschaftung und Pflege kommunaler Flächen. Diese Aktivitäten haben die UN-Dekade-Fachjury nachhaltig beeindruckt: „Eine Auszeichnung wird durch die Jury empfohlen, da das Projekt landesweit in Bayern agiert, um auf lokaler Ebene die biologische Vielfalt zu fördern. Durch den vorbildlichen kommunalen Ansatz werden verschiedene Akteure für den Insektenschutz mobilisiert und sensibilisiert.“. Neben der offiziellen Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhält der Deutsche Verband für Landschaftspflege einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die Naturvielfalt steht. Ab sofort wird das Projekt auf der Webseite der UN-Dekade in Deutschland unter www.undekade-biologischevielfalt.de vorgestellt.

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltige Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen können.

Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind. Die UN-Dekade Fachjury tagt zweimal im Jahr. Der Wettbewerb ist jetzt abgeschlossen, Informationen zur UN-Dekade sind weiterhin online bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt unter www.undekade-biologischevielfalt.de zu finden.

Der Begriff „biologische Vielfalt“ umfasst die Vielzahl der Tier- und Pflanzenarten sowie die Vielfalt der Mikroorganismen und Pilze. Einbezogen wird auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, die sich bei Pflanzen in den verschiedenen Sorten wiederspiegelt und sich bei Tieren mit den Rassen verbindet. Aber auch die verschiedenen Lebensräume und komplexe ökologische Wechselwirkungen sind Teil der biologischen Vielfalt. Die Biodiversität ist Voraussetzung für das Funktionieren der Ökosysteme mit ihren verschiedenen Ökosystemleistungen.

Ansprechpartner des DVL:

Christiane Feucht, Öffentlichkeitsarbeit, Telefon: 0176 / 6050 4951, feucht@lpv.de
Dr. Martin Sommer, Projektmanager, Telefon: 0176 / 6050 5039, m.sommer@lpv.de
www.dvl.org / www.natuerlichbayern.de

Ansprechpartner bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt:

Arno Todt (Projektleitung), Telefon:  02233 / 481463, geschaeftsstelle@undekade-biologischevielfalt.de
www.undekade-biologischevielfalt.de

Garten-Wollbiene. Foto: M. Sommer
Garten-Wollbiene. Foto: M. Sommer

23.04.2020 Bessere Chancen für heimische Insekten in über 300 bayerischen Kommunen

In den Landkreisen Aschaffenburg, Amberg-Sulzbach, Bamberg, Berchtesgadener Land, Dillingen, Ebersberg, Main-Spessart, Miesbach, Dingolfing-Landau und Rosenheim starten die Landschaftspflegeverbände ab sofort mit Beratung und insektenfreundlichen Maßnahmen bei der Grünlandpflege und der Anlage von blütenreichen Flächen.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber freute sich über die große Resonanz und lobte das Engagement aller Beteiligten. Die Landschaftspflegeverbände seien wichtige Partner, um alle Regionen in Bayern zu erreichen und wertvolle neue Lebensräume entstehen zu lassen. Mit den seit 2019 im Rahmen der Initiative betreuten Gemeinden wird aktuell in 15% der bayerischen Kommunen die Insektenvielfalt entwickelt und gefördert.

Im Rahmen von „NATÜRLICH BAYERN“ suchen die Landschaftspflegeverbände geeignete Flächen, um Wiesen insektenfreundlich aufzuwerten oder anzulegen. Dafür werden beispielsweise zusammen mit Landwirten regionaltypische Kräuter und Gräser von artenreichen Wiesen mit verschiedenen Techniken geerntet und auf geeignete Flächen ausgebracht. Darüber hinaus entwickeln die Landschaftspflegeverbände Konzepte für eine insektenfreundliche Bewirtschaftung von kommunalen Flächen, die von den Bauhöfen durchgeführt werden können. Welche Maßnahmen in den jeweiligen Regionen möglich und geeignet sind, erarbeitet der jeweilige LPV mit den Flächeneigentümern, Landwirten, Kommunalvertretern und Bauhöfen.

Im Landkreis Dillingen beispielsweise engagiert sich der LPV Donautal-Aktiv besonders für die artenreichen Entwicklungen von Rainen, Gewässerrandstreifen und Streuobstwiesen. Sie stellen wichtige Rückzugshabitate und Trittsteinbiotope für Insekten dar. Statt die Flächen nach bisheriger Praxis zu mulchen, will der LPV insektenfreundlichere und kostengünstige Alternativen für die Pflege und die Verwertung des Mähguts entwickeln.

Im Berchtesgadener Land will der Landschaftspflegeverband die im Voralpenland besonders artenreichen Trockenbiotope wieder vermehren und miteinander verbinden. Durch Anpassung des Mähregimes, Ansaat und Nachpflanzung von Gehölzen soll ein Mosaik für die Insektenvielfalt entstehen.

In allen zehn Landkreisen werden technische Alternativen für eine insektenfreundliche Bewirtschaftung gesucht und erprobt. Neben der individuellen Beratung der Kommunen können sich die Akteure auf Infoveranstaltungen und Workshops untereinander austauschen.

Der DVL startete bereits 2019 gemeinsam mit dem Umweltministerium und den lokalen Landschaftspflegeverbänden in über 200 Kommunen aus zehn Landkreisen die Initiative für den Erhalt der Insektenvielfalt. Bisher konnten rund 50 Hektar Säume, Wiesen und Äcker als Lebensräume für Insekten neu angelegt werden. Die Landschaftspflegeverbände berieten und schulten dazu mehrere hundert kommunale Akteure. Diese Zwischenbilanz sieht Projektmanager Dr. Martin Sommer als großen Erfolg: „Von der Initiative profitieren – im Gegensatz zu den weit verbreiteten Blühflächen mit der Einsaat von oft nicht ganz passendem Saatgut – nicht nur einige häufige, sondern mehr und seltene Insektenarten. Dazu zählen zum Beispiel der Storchschnabel-Bläuling oder die Dunkelfransige Hosenbiene. Alle Akteure, sei es von den Landschaftspflegeverbänden oder den Gemeinden, sind mit viel Herzblut dabei.“

HINTERGRUND

Im Rahmen der Initiative „NATÜRLICH BAYERN – insektenreiche Lebensräume“ unterstützt der DVL über 5 Jahre 30 Projekte bayerischer Landschaftspflegeverbände, in denen insektenreiche Lebensräume geschaffen und Kommunen und Bauhöfe beraten werden. Die Initiative wird im Rahmen des Blühpakts Bayern vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit rund 3 Millionen Euro gefördert. Was sie so besonders macht, erfahren Sie unter www.natuerlichbayern.de.

Der DVL ist der Dachverband der 175 Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland. Im Freistaat Bayern gibt es 64 Landschaftspflegeverbände und vergleichbare Organisationen. Sie werden durch Landessprecher Nicolas Liebig, Geschäftsführer des LPV Stadt Augsburg, vertreten. Die Koordinierungsstelle der bayerischen Landschaftspflegeverbände ist beim DVL angesiedelt.

Pressekontakt: 
Christiane Feucht, Deutscher Verband für Landschaftspflege, Promenade 9, 91522 Ansbach, Mobil: 0176 / 6050 4951, E-Mail: feucht@lpv.de 

Fachkontakt: 
Dr. Martin Sommer, Projektmanager, Deutscher Verband für Landschaftspflege, Promenade 9, 91522 Ansbach, Tel: 0981/1800 99-17, Mobil: 0176 / 6050 5039, E-Mail: m.sommer@lpv.de

DVL-PM-Natürlich-Bayern-Bessere-Chancen-für-Insekten.pdf

  • Umweltminister Thorsten Glauber (rechts) mit Projektmanager Dr. Martin Sommer (links) und Jens Franke, Geschäftsführer des LPV Unterallgäu. Foto: STMUV

18.09.2019 NATÜRLICH BAYERN: Landschaftspflegeverbände bringen Bayern zum Blühen

Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) und bayerische Landschaftspflegeverbände (LPV) unterstützen landesweit Kommunen, die Ziele des Volksbegehrens zum Artenschutz umzusetzen.

Ansbach/Ottobeuren – Der Schutz der Artenvielfalt ist eine der drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen. Mit „NATÜRLICH BAYERN – insektenreiche Lebensräume“, arbeiten DVL und die bayerischen LPV gemeinsam mit der Naturschutzverwaltung in einer landesweiten Initiative zusammen, um Flächen von Kommunen, Landwirtschaft und Gewerbe zu artenreichen Lebensräumen aufzuwerten. Stellvertretend für eine Vielzahl von Acker- und Wiesenflächen bringt der LPV Unterallgäu gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber, im Kurpark Ottobeuren gebietsheimisches Saatgut aus.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte im Rahmen des Termins: „Der Schutz der Artenvielfalt bewegt die Menschen in unserem Land wie kaum ein anderes Thema. Und das ist gut so. Denn der Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Gemeinsam schaffen wir artenreiche Lebensräume in ganz Bayern. Die Initiative NATÜRICH BAYERN zeigt, wie wir gemeinsam mit Gemeinden und Landwirten durch die Umsetzung unseres Begleitgesetzes zum Volksbegehren neue Lebensräume für Insekten schaffen und Artenvielfalt erhöhen. Die Landschaftspflegeverbände sind dabei starke Partner, um Artenschutz und Biodiversität in die Regionen zu bringen und vor Ort umzusetzen.“

Mit der bereits Ende 2018 ins Leben gerufenen Kampagne unterstützen die Landschaftspflegeverbände Kommunen, damit diese die Ziele des erfolgreichen Volksbegehrens erfüllen und damit ihrer Vorbildfunktion gerecht werden können. Die Initiative, die unter anderem Gewässerränder, Feldwege und deren Säume, Parks und andere öffentliche Grünflächen in den Fokus nimmt, ist Teil des vom Bayerischen Umweltministeriums initiierten „Blühpakts Bayern“.

Insektenlebensräume durch gebietsheimisches Saatgut

Der Schutz der heimischen Insekten steht bei NATÜRLICH BAYERN im Fokus. In allen Teilen des Freistaats vermehren und verbessern Landschaftspflegeverbände Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und viele andere nützliche Insekten. Dabei wird ausschließlich in der Region geerntetes Saatgut von artenreichen Flächen zur Ansaat verwendet. Gleichzeitig sorgen die LPV mit professionellen Schulungen und praxisnahen Beratungen der Kommunen dafür, dass die Flächen über den Projektzeitraum hinaus nachhaltig und insektenfördernd bewirtschaftet werden können.

Die Initiative NATÜRLICH BAYERN steht auch im Unterallgäu mit dem Projekt „Arten-Reiche“ für die Umsetzung innovativer Ideen, die Vermittlung von Knowhow durch die Landschaftspflegeverbände sowie die gute Zusammenarbeit mit Verwaltung, Landwirtschaft und Kommunen“, lobt DVL-Projektmanager Dr. Martin Sommer die Initiative des Landschaftspflegeverbands Unterallgäu und des Markts Ottobeuren. Das Saatgut für die Flächenaufwertung hatten Landwirte der Region zuvor mit dem „Wiesefix“ gewonnen, einem insektenschonenden Erntegerät, das der LPV Unterallgäu gemeinsam mit einem Landwirt entwickelt hat.


HINTERGRUND

NATÜRLICH BAYERN – insektenreiche Lebensräume ist das größte laufende Umsetzungsprojekt zur Förderung der Insektenvielfalt in Bayern. Im Rahmen der Kampagne unterstützt der DVL in den nächsten 5 Jahren 30 Projekte von Landschaftspflegeverbänden, in denen Lebensräume geschaffen werden, von denen nicht nur häufige, sondern vor allem auch seltene und gefährdete Insektenarten profitieren. Die ersten zehn Einzelprojekte werden mit einer zweijährigen Laufzeit von Mai 2019 bis April 2021 in den Landkreisen Ansbach, Bayreuth, Dachau, Donau-Ries, Freising, Kelheim, Rottal-Inn, Straubing-Bogen und Unterallgäu sowie in der Stadt Augsburg ausgeführt. Die Initiative wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit rund drei Millionen Euro gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt unter www.natuerlichbayern.de

Zugehörige Dateien

Segelfalter. Foto: M. Sommer
Segelfalter. Foto: M. Sommer

22.05.2019 Mehr Wiesen für Insekten!

DVL veröffentlicht Leitlinien zu nachhaltigem Insektenschutz

Ansbach, 22. Mai 2019 – Wie können wir unsere heimischen Insekten wirksam schützen? Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) hat jetzt Leitlinien zum Insektenschutz vorgelegt. Grundsätzlich sieht der DVL den Erhalt der Biodiversität, also auch den Schutz der Insekten, als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe an. Bei Maßnahmen zum Insektenschutz bedarf es somit Langfristigkeit und Kontinuität, wie Landschaftspflegeverbände sie seit Jahrzehnten ermöglichen. Kurzfristiger Aktionismus wird, nach Meinung des DVL, den Rückgang der Insektenpopulationen nicht stoppen. „Wir werden die Insektenwelt nicht retten, wenn wir mit Blühstreifen unsere Äcker lediglich aufhübschen!“, so Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL.

Weidetiere garantieren Artenvielfalt

Der DVL befürchtet, dass der Insektenschutz nur auf die Verteilung von Saatgut und Anlage von Blühstreifen reduziert wird. Zwar sind diese Maßnahmen nicht wirkungslos, doch zielen sie überwiegend auf blütenbesuchende Insekten ab und helfen damit vor allem Honigbienen und einigen häufigen Wildinsektenarten. „Wir benötigen hingegen mehr Hecken und heimische Wildpflanzen in unserer Ackerflur, mehr Strukturen in und an unseren Gewässern und mehr Totholz in unseren Wäldern. Vor allem unsere Wiesen und Weiden müssen ins Zentrum unserer Bemühungen rücken! Die Herausforderung ist es deshalb, die Attraktivität der flächengebundenen Tierhaltung wieder zu steigern“, so Metzner weiter.

Tierhaltung, die sich an der hofeigenen Fläche orientiert, ist der Garant dafür, artenreiches Grünland zu bewahren und zu entwickeln. Leider verschwinden Weidetiere zunehmend aus der Landschaft. Auch Hüte- und Wanderschäferei nehmen seit Jahrzehnten kontinuierlich ab. Diese Form der Landnutzung spielt jedoch eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von Samen und Insekten. Weidende Tiere wirken als "Taxis der Biodiversität". Hier bedarf es dringend wirkungsvoller Gegenmaßnahmen mit einer reformierten europäischen Agrarpolitik (GAP).

Kooperativer Naturschutz ist Weg zum Erfolg

Klare gesetzliche Vorgaben sind für den Insektenschutz unabdingbar. Darüber hinaus sind aber laut DVL freiwillige Maßnahmen im Rahmen des kooperativen Naturschutzes der nachhaltigste Weg, um den Insektenbestand zu erhöhen und auf hohem Niveau zu stabilisieren. Landschaftspflegeverbände betreiben in diesem Sinne seit 30 Jahren erfolgreich Projekte zum Insektenschutz. Oft stehen sie im Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten. Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutz können deshalb auf ein enormes praktisches Fachwissen und umfangreiche Erfahrungen innerhalb der Landschaftspflegeverbände zurückgreifen.


HINTERGRUND

Der DVL ist der Dachverband von 170 Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland. Im DVL-Papier „Schutz unserer heimischen Insekten“ werden 37 konkrete Punkte mit Grundsätzen, Maßnahmen und Empfehlungen aufgelistet. Alle Maßnahmen basieren auf der Praxiserfahrung der Landschaftspflegeverbände.

Zugehörige Dateien

Alexis-Bläuling. Foto: M. Sommer
Alexis-Bläuling. Foto: M. Sommer

26.04.2019 Blühflächen schaffen, aber richtig!

Professionelle Beratung ermöglicht wirksamen Artenschutz: Im Rahmen der Kampagne NATÜRLICH BAYERN des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL) e.V. unterstützt Fachpersonal der bayerischen Landschaftspflegeverbände Kommunen und Landnutzer.

Ansbach, 26.04.2019 – Derzeit ist neben der öffentlichen Debatte zum Insektensterben großer Aktionismus für die Anlage von Blühflächen zu beobachten. „Leider ist gut gemeint oft nicht gut gemacht. Das trifft auch auf den Insektenschutz zu!“, so Dr. Martin Sommer, Projektmanager von NATÜRLICH BAYERN. Deshalb schaffen bayerische Landschaftspflegeverbände (LPV) artenreiche Flächen mit selbst geerntetem „gebietsheimischem“ Saatgut. Zudem beraten sie Kommunen und Landwirtschaft, damit Blühflächen für Wildinsekten tatsächlich wirksam sind.

Professionelle Maßnahmen für wirksamen Artenschutz

Die Veröffentlichung der sogenannten Krefeld-Studie im Herbst 2017 über den massiven Rückgang der heimischen Wildinsekten hat nicht nur die Naturschutzakteure, sondern auch die Bevölkerung wachgerüttelt und zum bisher erfolgreichsten bayerischen Volksbegehren beigetragen. Es herrscht Einigkeit, dass neben notwendiger Ursachenforschung umgehend mit Maßnahmen gegengesteuert werden muss.

Landschaftspflegeverbände schaffen insektenfreundliches Saatgut

Handelsübliche Samenmischungen für sogenannte „Blühflächen“ enthalten vorwiegend Kulturpflanzen wie Buchweizen, Luzerne oder Sonnenblumen und oft nur ein Drittel heimische Blütenpflanzen. Diese ziehen zwar eine hohe Zahl von Insekten an, die Nektar saugen oder Pollen sammeln. Allerdings handelt es sich dabei meist nur um wenige Arten, hauptsächlich Honigbienen und einige häufige Wildinsekten. „Der Beitrag dieser Mischungen zum Insektenschutz ist relativ gering. Von über 500 Wildbienenarten in Bayern besuchen höchstens 40 derartige Blühflächen. Das ist viel zu wenig!“, so Sommer weiter. „Für wirksamen Insektenschutz, auch der seltenen Arten, müssen die Blühflächen dringend mehr heimische und aus der jeweiligen Region stammende, also „gebietsheimische“ Arten enthalten. Von diesen profitieren viel mehr unserer Insekten, da sie wesentlich besser an solche Pflanzen angepasst sind als an fremde Arten oder Kulturpflanzen.“

Der DVL und die Landschaftspflegeverbände empfehlen nicht nur der öffentlichen Hand und den Landwirten, sondern auch Privatpersonen und Betrieben bei der Anlage und Pflege von Grünflächen ausschließlich gebietsheimisches Saatgut zu verwenden. Herkömmliche „Bienenweiden-Mischungen“ sollten nur angesät werden, wenn kein rein gebietsheimisches Saatgut verfügbar ist. Von Standard-Blühmischungen aus Bau- und Gartenmärkten rät der DVL generell ab.

Beratungsbedarf: Umdenken dringend notwendig!

Neben ungeeigneten Samenmischungen sieht der DVL eine weitere Ursache für mangelhaftes Blütenangebot in der viel zu intensiven Pflege von Flächen der Kommunen und der Straßenbauverwaltung. „Hier muss ein Umdenken bei Gemeinden und Straßenbau stattfinden!“, fordert Nicolas Liebig, Landessprecher der bayerischen LPV. In der Kampagne beraten die LPV daher die Gemeinden zur insektenschonenden Flächenanlage und -bewirtschaftung. ‚Mähen statt mulchen, später und seltener mähen, nicht spritzen!‘ lauten wichtige Regeln dafür.


HINTERGRUND:

Im Rahmen der Kampagne NATÜRLICH BAYERN – insektenreiche Lebensräume unterstützt der DVL in den nächsten 5 Jahren 30 Projekte von Landschaftspflegeverbänden, in denen insektenreiche Lebensräume geschaffen werden sollen, von denen nicht nur häufige, sondern vor allem auch seltene Insektenarten profitieren. Die Initiative wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert. Weitere Informationen zum Projekt unter www.dvl.org/insekten

Der DVL ist der Dachverband der 170 Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland. Die im Freistaat Bayern existierenden 62 Landschaftspflegeorganisationen werden durch Landessprecher Nicolas Liebig, Geschäftsführer des LPV Stadt Augsburg e.V., vertreten. Die Koordinierungsstelle der bayerischen Landschaftspflegeverbände ist beim DVL angesiedelt.

  • Umweltminister Dr. Marcel Huber (mitte) mit Projektmanager Dr. Martin Sommer (links) und Reinhard Klett, Geschäftsführer des LPV Altötting.

10.10.2018 Landschaftspflegeverbände schaffen mehr Blütenreichtum

Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL) und bayerische Landschaftspflegeverbände (LPV) starten Kampagne für Insektenvielfalt in Bayern

Ansbach, Altötting, 10.10.2018: Die Zahlen der Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken oder Käfer nehmen in unserer Kulturlandschaft rapide ab. Mit „natürlich Bayern“, einem Aktionsplan für Insektenvielfalt in Bayern, starten der DVL und die bayerischen LPV heute eine landesweite Kampagne, um mehr Lebensräume für Insekten zu schaffen. Gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Marcel Huber, stellen der DVL und der LPV Altötting die Kampagne in Altötting vor.

Josef Göppel, Vorsitzender des DVL, begrüßt die Initiative ausdrücklich: „Endlich kommt es zu einer breit angelegten Offensive neuer, naturnaher Lebensräume im ganzen Land! Auf der Vielfalt von Kleinlebewesen ruht das gesamte Netz des Lebens.“ Mit der Kampagne „natürlich Bayern“ werden Flächen von Kommunen, Landwirtschaft und Gewerbe in den kommenden 5 Jahren zu artenreichen Lebens- und Nahrungsräumen von Insekten aufgewertet. Ab 2019 werden jährlich 10 Projekte von Landschaftspflegeverbänden in unterschiedlichen Regionen Bayerns umgesetzt. Die Kampagne ist Teil des vom Bayerischen Umweltministerium initiierten „Blühpakts Bayern“ und wird von diesem zu 90 % gefördert.

Es sollen bestehende Schutzgebiete optimiert und Flächen für den Insektenschutz zur Verfügung gestellt werden. In den Fokus treten hier die sogenannten „Eh-da-Flächen“, also Flächen die sich in der Regel in kommunalen Besitz befinden, auf denen jedoch bisher nicht das Ziel Insektenschutz verfolgt wurde. Zu nennen sind Straßen- und Gewässerränder, Feldwege und deren Säume, Parks und andere öffentliche Grünflächen. Die enge Zusammenarbeit von Naturschützern, Landwirten und Kommunen innerhalb der Landschaftspflegeverbände kann hier zielführend genutzt werden.

Wie eine solche Maßnahme vor Ort aussehen kann, zeigt Reinhard Klett, Geschäftsführer des LPV Altötting, anhand einer beispielhaften „eh-da-Fläche“. Diese Fläche dient als Spenderfläche für heimisches Saatgut. Mit dem Erntegerät „e-beetle“ gewinnt der LPV selbst das Saatgut und bringt es auf geeignete Empfängerflächen aus, um dort mehr Artenreichtum und damit Nahrungsgrundlagen für Insekten zu schaffen. Durch seine Vernetzung mit Kommunen, Behörden und Verbänden versorgt der LPV Altötting mittlerweile zahlreiche Empfängerflächen mit selbstgewonnenem, autochthonem Saatgut.

Zum Kurz-Viedeo mit Dr. Marcel Huber über die Initiative NATÜRLICH BAYERN geht es hier.

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